Prof. Jörg Immendorff
Jörg Immendorff am 28.05.2007 verstorben
Der Künstler Jörg Immendorff ist in den frühen Morgenstunden des 28.05.2007 in seinem Haus in Düsseldorf verstorben.

Er war seit 1998 an einer spezifischen Verlaufsform der ALS erkrankt, die sich initial mit Armlähmungen darstellte und im Verlauf mehrerer Jahre die unteren Extremitäten mit einbezog. Im Dezember 2005 war aufgrund einer ALS-bedingten Atemfunktionsstörung eine künstliche Beatmung erforderlich, die in der häuslichen Umgebung mit einem Heimbeatmungs-Team realisiert wurde. Als Todesursache ist ein plötzlicher Herzstillstand anzusehen, der um 02.00 Uhr des 28. Mai.2007 eintrat und zu einem Sterbeprozess ohne zusätzliches Leiden führte. In einer Patientenverfügung hatte der Künstler bereits im Jahr 2006 festgelegt, dass er auf intensiv-medizinische Maßnahmen verzichtet. Seinen Patientenwillen hatte er in einer Visite am 22.05.2007 erneut bekräftigt.

Jörg Immendorff hat in seiner Krankheit einen wesentlichen Beitrag geleistet, eine Öffentlichkeit für die ALS-Problematik in Deutschland herzustellen. Er war seit 2002 Patient unserer ALS-Ambulanz und hat seit Februar 2004 unsere Arbeit zur Erforschung von Ursache und Therapie der ALS aktiv unterstützt. Ausgangspunkt war eine gemeinsame Initiative des Künstlers mit der Charité, die in der Finanzierung eines Stipendiums für einen forschenden Arzt in unserer Ambulanz bestand. Im Mai 2005 initiierte er eine Auktion gestifteter Werke von 20 Künstlern in seinem Atelier in Düsseldorf. Der Erlös dient der ALS-Therapieforschung an der Charité. Mit dem Tod von Jörg Immendorff verlieren die Betroffenen, ihre Angehörigen, Pflegende und Ärzte einen wichtigen Sprecher für die Belange der ALS in Deutschland.

Prof. Jörg Immendorff gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler in Deutschland. Seit 1996 lehrt er als Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1998 ist der Künstler an einer spezifischen Verlaufsform der ALS erkrankt. Die neurologische Erkrankung führt zu einer fortschreitenden Störung der motorischen Funktionen der linken Hand, der Arbeitshand des Künstlers. Im Verlauf weniger Jahre erlebte er einen vollständigen Verlust der Motorik des linken Arms. Mit Beginn des Jahres 2000 kam es zu einer fortschreitenden Betroffenheit des rechten Arms. Seit dem Jahr 2004 erleidet der Künstler einen zunehmenden Verlust seiner manuellen Funktionen und beginnende Lähmungen der Beine. Durch eine Beeinträchtigung der Atemmuskulatur wurde im November 2005 eine Beatmungstherapie durch eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) und eine unterstützende Heimbeatmung erforderlich.

Im Januar 2004 entstand die gemeinsame Idee der Partnerschaft mit einer privaten Förderinitiative und der ALS-Arbeitsgruppe an der Charité. Die finanziellen Aufwendungen klinischer Studien sind die Hauptschwierigkeit bei der Etablierung neuer Therapieverfahren bei der ALS. Eine Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) oder andere Institutionen konnte bisher nicht erreicht werden. Zuletzt wurde im Juli 2005 ein Antrag zur Finanzierung einer Wirksamkeitsstudie mit dem Medikament Minozyklin von der DFG abschlägig entschieden. Ein Antrag für die Etablierung eines Kompetenznetzes zur Diagnostik und Therapie der ALS hat am Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Jahr 2001 keine Priorität erhalten und konnte damit nicht realisiert werden. Aufgrund der limitierten Fördermöglichkeiten der ALS-Therapieforschung durch öffentliche Träger entstand die Jörg immendorff-Initiative zur Erforschung von Therapien bei der ALS an der Charité. Seit Beginn der ALS-Initiative wurden mehr als 100.000 Euro an privaten Spenden aufgebracht. Diese Mittel wurden für die Finanzierung einer Pilotstudie mit dem Medika- ment Thalidomid bei 40 ALS-Patienten eingesetzt, die im Januar 2006 begonnen wurde (Studie THL-ALS01). Die ALS-Studie erfordert erhebliche personelle und finanzielle Aufwendungen, die einen Finanzumfang von 100.000 Euro bedeuten. Bei einem positiven Ergebnis der Pilotstudie ist eine Wirksamkeitsstudie geplant, die eine Untersuchung von 400 Patienten an mehreren ALS-Zentren in einem Zeitraum von 18 Monaten und einen Kostenumfang von mehr als 1 Millionen Euro beinhaltet. Eine Finanzierung von Pilot- und Wirksamkeitsstudien kann gegenwärtig nur durch Spenden- oder Stiftungsaktivitäten realisiert werden.